Über
Pestizide, Syngenta, weder hier noch anderswo!
Syngenta ist ein Schweizer Agrochemie-Riese, der 2017 vom chinesischen Staatskonzern ChemChina übernommen wurde. Das Unternehmen ist weltweit der größte Verkäufer von Pestiziden und der drittgrößte Verkäufer von kommerziellem Saatgut, mit einem Patentportfolio von über 10.000 Patenten. Der Konzern erzielt einen Jahresumsatz von mehr als 33 Milliarden Dollar, fast 40 % davon mit Pestiziden, die krebserregend oder bienenschädlich sind und von denen viele in Europa bereits verboten sind.
2020 übernahm die Syngenta-Gruppe außerdem ein israelisches Unternehmen für generische Pestizide, dessen Produkte in illegalen israelischen Siedlungen eingesetzt und entwickelt und entlang der Grenzmauer versprüht wurden, um Vegetation zu zerstören, mit Auswirkungen auf palästinensische Felder und Wasserquellen.
Wir kennen ihre Namen: Paraquat, Thiamethoxam, Chlorothalonil, Atrazin, Diquat, Gifte, die in den Laboren von Syngenta entstanden sind. Diese und weitere, weniger bekannte Substanzen töten Lebewesen in mehr als 90 Ländern, in denen Syngenta seinen Einfluss ausgeweitet hat.
Wir kämpfen seit Jahren
Pestizide töten, immer mehr und schon viel zu lange, vor allem aber töten sie Landarbeiter*innen. Die wenigen Multikonzerne, die davon profitieren, vergiften weiterhin das Land und die Menschen, die darauf leben. Seit Jahren sammeln wir Beweise, schlagen Alarm und führen unseren Kampf fort: mit Anträgen auf Anerkennung von Berufskrankheiten, Rechtsmitteln, Feldstudien, Mahnwachen an verseuchten Wasserfassungen, Demonstrationen und Unterstützung für betroffene Menschen.
Und doch werden wir nicht gehört.
Während sich die Gesundheitsskandale mehren, bevorzugen die öffentlichen Behörden und europäischen Institutionen weiterhin ein von Pestiziden abhängiges Agrarmodell und gestalten ihre Gesetzgebung entsprechend. Damit schaffen sie eine chemische Unsicherheit für die gesamte Bevölkerung. Deshalb haben in Frankreich mehrere Kollektive von Landwirt*innen und Pestizidopfern eine Aktionskampagne gestartet, um die Pestizidproduktions-Infrastruktur in unseren Regionen zu entwaffnen und eine andere Landwirtschaft zu fördern. Unsere Aktionen nehmen verschiedene Formen an: die Stilllegung von Produktionsstandorten, Einbrüche, Blockaden, Besetzungen. Im vergangenen November haben 500 von uns (Landwirt*innen, Landarbeiter*innen und von Agrargiften betroffene Menschen) einen BASF-Produktionsstandort blockiert, um den chemischen Kolonialismus anzuklagen. Dieser Standort produziert Fipronil, eine Substanz, die in Europa für die landwirtschaftliche Nutzung verboten ist, aber in großen Mengen nach Brasilien exportiert wird.

Warum wir nach Saint-Pierre-la-Garenne gehen
Ein Standort, der dauerhaft verschmutzt
Im Rahmen dieser Kampagne, und um die Möglichkeiten zur Beteiligung zu erweitern, organisieren wir eine groß angelegte Massenaktion gegen einen Syngenta-Produktionsstandort in Nordfrankreich. Dieser Standort ist ein Symbol für alles, wogegen wir kämpfen. Seit Jahrzehnten produziert Syngenta dort, in Saint-Pierre-la-Garenne im Département Eure, zahlreiche gefährliche Pestizide. Das Ergebnis: Das Grundwasser in der Nähe des Standorts ist stark verschmutzt. Die Krankheitsfälle in der Umgebung des Standorts nehmen zu, und seit Jahren wurden in der Nachbarschaft keine Baugenehmigungen mehr erteilt. Arbeiter*innen führen laufende Rechtsverfahren gegen den Standort. Im Herzen der Anlage befindet sich außerdem ein experimentelles Saatgutzentrum, in dem große Mengen patentierten Saatguts chemisch behandelt werden, bevor sie verteilt werden.
Wir wollen klarstellen: Die industrielle Pestizidproduktion ist untrennbar mit der Kontrolle über Saatgut verbunden, und beides ist mit dem Autonomieverlust der Landwirt*innen verknüpft. Wir lehnen es ab, dass Saatgut von diesen Unternehmen patentiert und gentechnisch verändert wird, während wir seit Generationen unser eigenes Saatgut auswählen, um die für die Ernährungssouveränität essenzielle kultivierte Biodiversität zu erhalten.
Wer wirklich dahintersteckt
Syngenta dominiert zusammen mit BASF, Bayer-Monsanto und Corteva einen als Oligopol organisierten Sektor. Seit der Übernahme durch ChemChina im Jahr 2017 nimmt der Konzern eine zentrale Stellung auf dem weltweiten Pestizid- und Saatgutmarkt ein. Diese wirtschaftliche Macht beruht auf einer starken industriellen Konzentration: Während Syngenta vom chinesischen Staatskonzern ChemChina kontrolliert wird, sind die drei anderen Branchenriesen (BASF, Bayer-Monsanto und Corteva) börsennotiert, mit Großaktionären wie den Fonds BlackRock, Vanguard, State Street, Capital Group und Fidelity. Dieses System schwächt die bäuerliche Landwirtschaft und hält eine strukturelle Abhängigkeit von chemischen Betriebsmitteln aufrecht, auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung und des allmählichen Verschwindens der Landwirt*innen.
Zur Erpressung mit Arbeitsplätzen
Wenn wir diese Themen ansprechen, schwingen die Unternehmen oft das Schreckgespenst von Arbeitsplatzverlusten und Verlagerung. Unsere Antwort darauf ist klar. Wir unterstützen industrielle Umstellungen, die sowohl den Beschäftigten als auch den Landwirt*innen nützen, aber wir wollen diese Art der Produktion weder hier noch anderswo. Die für den 3. Oktober in anderen Ländern geplanten Mobilisierungen werden dieselbe Forderung und dieselbe internationale Solidarität tragen.
In der Schweiz: Warum wir nach Basel und Monthey gehen
Das Gastland der globalen Agrochemie
Die Schweiz ist Gastland von Syngenta, der weltweiten Nummer eins bei Pestiziden, die seit 2016 dem chinesischen Staatskonzern ChemChina gehört. Der Standort Monthey (VS), von der Firma selbst als „strategisch“ bezeichnet, produziert einen Teil der weltweit verkauften Substanzen. Einige davon, in der Schweiz und der EU wegen ihrer Gefährlichkeit verboten, werden in Länder mit schwächeren Gesetzen und höheren Risiken exportiert. Dieses toxische Geschäftsmodell verschafft Syngenta Milliardengewinne, während es Landwirt*innen, Wasser und Böden vergiftet, hier wie anderswo.
Der Genfersee, ein andauernder nationaler Skandal
2025 wiesen die Kantone Genf, Waadt und Wallis das Vorhandensein von 1,2,4-Triazol im Trinkwasser aus dem Genfersee nach, mit Konzentrationen bis zum Siebenfachen des Bundesgrenzwerts. Über 60 Tonnen wurden vom Chemiestandort Monthey aus in die Rhône eingeleitet und verunreinigten das Trinkwasser von fast einer Million Menschen in der Schweiz wie im benachbarten Frankreich. Während die Sanierung von den Gemeinden (also von den Bürger*innen) bezahlt wird, häufen Syngenta und ihre Tochtergesellschaft CIMO Verfahrensbeschwerden an, um den Waadtländer Gemeinden den Zugang zu den Akten über den Ursprung der Verschmutzung zu verwehren.
Lobbying und Vereinnahmung der Institutionen
2025 wurde Syngenta in die offizielle Schweizer Delegation zur COP30 aufgenommen, eine Nominierung, die von zahlreichen Organisationen als schwerer Interessenkonflikt angeprangert wurde, obwohl sich das Unternehmen in chinesischer Hand befindet. Gleichzeitig verzichtete der Bundesrat darauf, als gefährlich anerkannte Substanzen in die laufende Revision der Gewässerschutzverordnung aufzunehmen, und stellte die Finanzierung der schweizerischen Forschung zu den Gesundheitsauswirkungen von PFAS und Pestiziden ein. Dieses seit langem dokumentierte toxische Lobbying muss aufhören.
Was wir fordern
Es gibt nur einen möglichen Weg: die Transformation des Agrarmodells. Wir wollen anbauen, uns ernähren und von unserer Arbeit leben können, ohne uns zu vergiften. Wir lehnen es ab, dass unser Land von Agrarkonzernen enteignet und seine Fruchtbarkeit zerstört wird. Wir wenden uns gegen die Patentierung bäuerlichen Saatguts und dagegen, dass kultivierte Biodiversität zu einer Handelsware reduziert wird. Agrarökologische Alternativen zu Pestiziden gibt es bereits; was fehlt, ist der politische Wille, die wirtschaftlichen Hürden zu beseitigen, die die Abhängigkeit von Agrochemie aufrechterhalten. Wir müssen uns aus einem liberalen System befreien, das die Preise drückt und die Mehrheit der Landwirt*innen dazu zwingt, Pestizide massiv als kurzfristiges Überlebensmittel auf dem internationalen Markt einzusetzen.
Die Dinge durch kollektives Handeln verändern. Vereint ist unsere Wut mächtig.
Am 3. Oktober 2026 werden wir präsent sein (in Frankreich und in allen anderen Regionen, die sich unserem Kampf anschließen wollen), um der Straflosigkeit der Pestizidindustrie ein Ende zu setzen. Um die chemische Unsicherheit zu beenden, ist der Ausdruck kollektiver Wut unerlässlich. Wir fordern, dass die Verantwortung für die Verschmutzung von Wasser, Boden und Körpern festgestellt wird, dass die giftigsten Produktionen eingestellt werden und dass die Beschäftigten bei der Umstellung dieser Branchen gerecht entschädigt und unterstützt werden.
Das Schweigen muss enden, ebenso wie die Verbrechen von Syngenta.
Ein globaler Kampf, und wir brauchen dich
Mit dieser Aktion wollen wir die zerstörerischen Auswirkungen des Syngenta-Konzerns auf globaler Ebene ins Licht rücken. Wir sind davon überzeugt, dass der Kampf gegen Agrochemieprodukte vor allem von Landwirt*innen geführt werden muss und eine internationale Dimension haben muss.
Wir stehen bereits mit Bewegungen auf der ganzen Welt in Kontakt und gehen auf weitere zu. Jedes Kollektiv kann sich so organisieren, wie es für richtig hält; wichtig ist, gemeinsam zu handeln, am selben Tag, gegen denselben Feind.
Wenn du Landwirt*in, Arbeiter*in, erkrankt bist oder einfach jemand, der dieses System ablehnt, organisiere dich dort, wo du bist, oder komm mit uns nach Saint-Pierre-la-Garenne.
